Kinder brauchen Hoffnung

Religion im Leben der Kinder und im Alltag des Kindergartens

Wenn Kinder in den Kindergarten kommen, bringen sie ihre Religion, ihren Glauben, ihre Fragen und Hoffnungen mit.

„Wo wohnt Gott?”, „Was macht Gott, wenn er schläft?”

„Mein Opa ist tot. Wo ist er jetzt?” (Auf dem Friedhof? Im Himmel/bei Gott?)

Dabei bringen sie neben Fragen auch vieles mit, von dem wir Erwachsene lernen können; manches, was uns – „realistisch” wie wir sind – abhanden gekommen ist.

Kinder bringen großes Vertrauen mit – wenn wir Erwachsenen es nicht zerstören. Wir können von Kindern lernen, was vertrauen heißt, was glauben heißt; können lernen, dass Träume mehr sind als Hirngespinste; dass nicht nur die sichtbaren Dinge wichtig sind.

Zwei Beispiele für Antworten, die Kinder leichter finden als wir:
–  Im Glaubensbekenntnis steht der Satz von der „Gemeinschaft der Heiligen”. Wer von uns weiß schon wirklich, was damit gemeint ist? Was sind Heilige? Die Antwort eines Kindergartenkindes: „Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint.”
–  Ein anderer Satz eines Kindes, sechs Jahre alt: „Gott sieht man nicht, aber seine Farben sieht man und spüren kann man Gott wie den Wind und die Wärme der Sonne.”

Religion, Glaube im Kindergarten, das hieß bisher zumeist: Wir, die Erwachsenen, bringen den Kindern Religion „bei”. Unser Ansatz in der Arbeit mit Kindern geht auch hier von einem Perspektiv-Wechsel aus, den auch Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern nahe legt. Von seinen Jüngern gefragt, wer der Größte von ihnen sei, ruft Jesus ein Kind zu sich, stellt es in die Mitte und sagt: „Ich versichere euch: Wenn ihr euch nicht ändert und den Kindern gleich werdet, dann könnt ihr in Gottes neue Welt nicht hinein kommen.”

(Matthäus 18, 2 und 3 – Gute Nachricht Bibel)

Die wichtigsten Fragen und Themen für die Kindergartenzeit haben wir für uns zusammengestellt. Dabei haben wir äußere Anlässe, wie z. B. die Jahreszeiten, besondere Feste (Beginn eines neuen Kindergartenjahres, Gemeindefest, Nikolaus, Weihnachten, Ostern und Ähnliches) mit der Situation der Kinder in Verbindung gebracht und überlegt, welche Gefühle für die Kinder mit diesen Ereignissen verbunden sind.

Anschließend haben wir Rituale und biblische Geschichten zusammen getragen, die den Kindern helfen, ihre Gefühle auszudrücken, die ihnen wichtigen Fragen zu bearbeiten und eigene Antworten zu finden.

Der daraus entstandene Entwurf für unsere religionspädagogische Arbeit ist jedoch nur Anhaltspunkt, Hilfe bei der Gestaltung der Kindergartenzeit, der immer wieder neu anhand aktueller Fragen der Kinder zu überprüfen ist.

Wichtiges Element, um den Kindern Hilfe zu geben im Umgang mit ihren Fragen und Gefühlen sind Rituale und Symbole. Sie sollen – ebenso wie biblische Geschichten – den Kindern helfen, mit ihren Anliegen umzugehen.

–  Für den Beginn eines neuen Kindergartenjahres steht für die neuen Kinder das Gefühl im Raum, oftmals zum ersten Mal getrennt von der Mutter zu sein. Hier, aber auch beim Abschied vom Kindergarten, kann ein Abschiedsritus und die biblische Geschichte von Abraham, der seine Heimat verlässt, helfen, den Eintritt in diesen neuen Lebensabschnitt zu erleichtern.
–  Ein Herbstfest kann den Abschied von der schönen warmen und von Aktivitäten im Freien geprägten Jahreszeit und den Beginn einer anderen Zeit verdeutlichen. Die Geschichte der Maus „Frederick” kann hier helfen, neue Sichtweisen zu eröffnen. Frederick, der – im Gegensatz zur übrigen Mäusefamilie – den Sommer über nicht praktisch mitarbeitet, keine Körner sammelt, dafür aber Sonnenstrahlen, Farben und Wörter, Frederick hilft anschließend mit seinen Geschichten und Bildern, den langen grauen Winter zu überstehen und zeigt, dass nicht nur äußere Dinge wichtig sind.
–  Sorgenpüppchen, die den Kindern in einem Gottesdienst am Buß- und Bettag überreicht wurden, waren Hilfe zum Gespräch über Probleme und Sorgen der Kinder.

So erfahren die Kinder im gemeinsamen Erleben, dass Kirche, dass Gemeinde ein Ort ist, an dem man wichtige Hilfe für das eigene Leben finden kann.

Kindergarten ist ein wichtiger Baustein von Gemeinde, in dem für die Kinder Kirche erfahrbar wird. Das heißt für uns:

–  Hier sollen sie so angenommen sein, wie sie sind.
–  Hoffnungsgeschichten der Bibel werden erzählt, erlebt und auf das Leben der Kinder hin geöffnet. Die Bibel bietet heilsame, bewegende Bilder und Geschichten an, die uns einladen, Kirche als Lebensraum und Glaube als Lebenshilfe erfahren zu können.

Ein letztes Beispiel: Wenn Kinder nach zwei oder drei Jahren den Kindergarten verlassen, so spielen ganz verschiedene Gefühle eine Rolle:

–  Stolz, ein großes Kind zu sein.
–  Trauer über den Verlust des gewohnten Lebensraumes Kindergarten.
–  Angst, Sorge: Was kommt da auf mich zu? Ist die Lehrerin, der Lehrer nett? Sind da Freunde von mir?

Diese Fragen, Themen und Gefühle wollen ernst genommen werden. Darin sehen wir unsere Aufgabe.

Religion im Kindergarten heißt vor diesem Hintergrund:
–  Die Fragen, die Hoffnungen, die Ängste der Kinder hören, wahr-nehmen, ernst-nehmen und dann begleitend aufgreifen. Dafür bieten wir im Kindergarten Raum und Zeit, sowohl im Alltag des Kindergartens, als auch in der Kindergartenkirche, zu der die Kinder einmal im Monat in „Unsere Arche” kommen.

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