Gruppenpädagogik

Referat zum Thema: Gruppenpädagogik
von Sabrina Herrmann

– Gruppenpädagogik ist eine Teildisziplin der Sozialarbeit (Pädagogik) und ist heutzutage in der sozial pädagogischen Praxis für die Zusammenarbeit mit mehreren Menschen ein großer Bestandteil.
– Gruppenpädagogik ist eine freiwillige Gruppe jeden Alters, mit der pädagogisch gearbeitet wird.
– Die Gruppenpädagogik kommt aus den Wurzeln der social-groupwork, das heißt sich an praktische Regeln orientieren, die lehr und lernbar sind, um das Zusammenleben in einer Gruppe zu erleichtern.
– Gruppenpädagogik stellt vor allem in den Mittelpunkt ihrer Arbeit kleine überschaubare Gruppen, die konstant gehalten werden. Zudem gilt die Gruppe als Gemeinschaft.
– Gruppenpädagogik macht partnerschaftliche Momente zwischen Leiter und Gruppenmitglieder erlebbar.

Die Zielsetzung der Gruppenpädagogik ist die Vermittlung von Gemeinschaftserlebnissen und Vertrauensbildung in der Gruppe, sowie sammeln von Erfahrungen.

Des Weiteren setzt die Gruppenpädagogik ihre Ziele in Lernen von Gruppendiskussionsregeln, Regeln von Interaktionsprozessen um, um somit den Umgang mit anderen zu Verbessern.

Auch ist das Ziel, dass jeder individuelle Förderung bekommt, da das Individuum im Vordergrund steht.

Ein weiteres Ziel ist auch die Entwicklung eines Zusammengehörigkeitsgefühl, das heißt, durch die Gruppenarbeit entwickelt sich ein WIR–Gefühl. Und um ein Wir–Gefühl entstehen zu lassen benötigen die Gruppenmitglieder die Fähigkeit zum gemeinsamen Tun und Handeln, das heißt jeder muss sich in der Gruppe beteiligen, Aufgaben übernehmen, Rücksicht nehmen, partizipieren (teilhaben) und kooperieren. Denn es kann nur ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen, wenn man etwas zusammen macht.

Um Gruppenpädagogik aufrecht zu erhalten, benötigen die Gruppenmitglieder die Stärkung der Fähigkeit, Entscheidungen in sachlichen Überlegungen und Gruppenberatungen zu treffen. Dabei ist es wichtig, dass man zu einer Entscheidung kommt, eventuell auf positive und/oder negative abwägt, diskutiert, Kompromisse schließt und abstimmt.

Besonders wichtig bei der Gruppenentscheidung ist, dass jeder ernst genommen wird und das Diskussionsregeln eingeführt werden.

Mitglieder sollen so früh wie möglich lernen, Unterschiede zwischen Menschen zu akzeptieren und Vorurteile abzubauen.

Als letztes Ziel der Gruppenpädagogik ist, dass eine Atmosphäre der Geborgenheit und Annerkennung geschaffen wird. Dies gelingt durch Sicherheit der Gruppenmitglieder, angstfreies Klima und durch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Der Erzieher muss folgendes wissen, um eine Gruppe gut leiten zu können:
– wissen, was Gruppenpädagogik ist und deren Ziele
– rechtliche Grundlagen
– fachgerechte Gespräche leiten können
– Allgemeinwissen
– Gruppenpsychologie zum Beispiel Konfliktlösung
– Methodisch/Didaktische Grundlagen zum Beispiel Planung und Organisation
– Familienverhältnisse der Kinder/Jugendlichen kennen
– Er muss etwas über Gruppenbeziehungen und Rollenverteilung innerhalb der Gruppe wissen zum Beispiel Gruppenhierarchie
– Er muss wissen, wie man ein Programm gestaltet

Zudem muss ein Erzieher Folgendes können, um eine Gruppe gut leiten zu können:
– Wissen umsetzen
– Grenzen setzen können
– Gruppenbeziehungen erkennen, lenken und verändern
– Interessen und Bedürfnisse erkennen und berücksichtigen
– kommunikationsfördernde Verhaltensweisen zeigen können
– neutral und objektiv verhalten können
– Gespräche leiten und führen können

Als weiteren Punkt um eine Gruppe gut leiten zu können, muss der Erzieher eine bestimmte berufliche Haltung einnehmen können, mit folgenden Eigenschaften:
– Akzeptanz, Empathie, Kongruenz
– Pflichtbewusstsein
– Engagement
– Offen für Neues sein, zum Beispiel Weiterbildung
– Fairness
– geduldig
– Selbstkontrolle (sich selbst beobachten und eigene Mängel eingestehen)
– Wertschätzende Zusammenarbeit (partnerschaftlicher Umgang)
– vorurteilsfrei
– Berufsgeheimnis
– Würde des Menschen achten

Zudem muss der Erzieher eine gute fachliche Ausbildung haben und muss sich nach und nach aus der Gruppe loslösen und sie zu Selbstständigkeit hinführen, das heißt, der Erzieher soll so aktiv wie nötig und so passiv wie möglich sein!

Typisch für die Gruppenpädagogik ist zum einen die Überschaubarkeit der Gruppe, die ca. acht bis 15 Personen beinhaltet, wobei die Gruppenmitglieder zu jedem Kontakt aufnehmen müssen. Der Erzieher muss Beziehungen untereinander erkennen können und auf jeden einzelnen eingehen können. Zum anderen ist die Gruppenbildung für die Gruppenpädagogik typisch, das heißt die Gruppenmitglieder kommen wegen unterschiedlichen Motiven in die Gruppe, zum Beispiel um Kontakt, Kommunikation aufzunehmen und wegen gleichen Interessen. Sie kommen auch, um die sozial-emotionalen Bedürfnisse zu stillen, zum Beispiel wegen des Bedürfnisses akzeptiert zu werden.

Die Gruppe im gruppenpädagogischen Sinne ist …
– Eine überschaubare Anzahl der Gruppenmitglieder, das heißt, der Gruppenleiter muss in der Lage sein, wechselseitige Beziehungen der einzelnen Person zu erkennen und zu steuern. Jedoch ist dies abhängig von der Gruppe, Fähigkeiten des Gruppenleiters, von den Problemen der Gruppenmitglieder und von der sozialen Reife jedes einzelnen.
– dass ein gemeinsames Grundinteresse besteht, um die Gruppe zusammen zu halten, das heißt, wenn das gemeinsame Interesse verloren geht, löst sich die Gruppe nach und nach auf.
– die Entwicklung persönlicher Beziehungen, das heißt je besser die Beziehung ist, um so besser ist das Wohlbefinden. Und dies ist nur in überschaubaren Gruppen möglich.
– der Ansatz eines Wir – Gefühls ,das heißt das Wir–Gefühl wird gestärkt und systematisch aufgebaut durch herbeigeführten Erlebnissen (gemeinsames Leid/Aufgaben)
– Kontinuität (Regelmäßigkeit), das heißt Beziehungspflege durch regelmäßiges Treffen.
– bewusste erzieherische Arbeit, das heißt in der Gruppe muss bewusst erzieherisch gearbeitet werden.

Das Prinzip der Gruppenpädagogik besteht aus:
– Individualisierung
– Mit den Stärken der Personen arbeiten
– Der Erzieher sollte da anfangen, wo die Gruppe steht (altersgerecht, Entwicklungsstände, Über und Unterforderung und Erfahrungen) und sich mit ihrem Tempo entsprechend in Bewegung setzen
– Zu dem sollte der Erzieher Raum für Entscheidungen geben und notwendige pädagogische Grenzen positiv nutzen, das heißt Grenzen sind notwendig für die Freiheit des Einzelnen und endet wo die Freiheit des anderen beginnt.

Nun gibt es folgende Mittel, um Gruppenpädagogik deutlich zu machen:
– Das Gruppenprogramm
– Den Gruppenprozess
– Das Gruppengespräch

Das Gruppenprogramm

Darunter versteht man, dass man etwas praktisch gemeinsam macht, denn dadurch fördert man geistiges, körperliches und soziales. Außerdem fördert das Gruppenprogramm die Kommunikation zwischen den Gruppenmitgliedern. Gruppenprogramme können in Partnerarbeit oder Gruppenarbeit stattfinden.

Das Gruppenprogramm ist für zweierlei wichtig:
– Für die Inhaltliche Ebene (Was sie lernen sollen)
– Für die Beziehungsebene (Solidarität, Kommunikation und Integration)

Der Gruppenprozess

Darunter versteht man wechselseitige Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander und Beziehungen zwischen Gruppenmitglieder und Gruppenleiter.

Der Gruppenprozess ist ständig in Bewegung und die Beziehungen verändern sich ständig, zum Beispiel durch
– verschiedene Interessen
– neue Leute
– durch verschiedene Charakteren etc.

Ein Gruppenprozess kann man an Einigkeit, Dynamik und Konflikte erkennen.

Diese Konflikte können in unterschiedlichen Formen gelöst werden:
– Verdrängung des Konfliktes
– Ausschluss
– Austritt
– Unterdrückung
– Mehrheitsbeschluss durch Abstimmung
– Kompromiss
– Integration

Im Gruppenprozess finden verschiedene Phasen der Gruppenentwicklung statt, denn ein Prozess läuft von Anfang an bis hin zur Auflösung. Als erstens beginnt der Gruppenprozess mit der Einstiegsphase (Orientierungsphase). Hier ist wichtig, dass der Gruppenleiter viel anleitet und die Kennlernphase systematisch ermöglicht. Es beginnt eine Kennlernphase, um sich später angstfrei in die Gruppe einzubringen und um sich in kurzer Zeit schnell kennen zu lernen, sowie die Neugier zu legen. Die Einstiegsphase ist durch die Ambivalenz (Widersprüchlichkeit) gekennzeichnet.

Der Gruppenprozess folgt mit einem Positionskampf und mit Kontrolle unter den Gruppenmitgliedern. Hier kommt es zu einer Ranghierarchie und zu einer Auseinandersetzung zwischen den Mitgliedern, wobei jedem eine positive oder negative Rolle zugeteilt wird, zum Beispiel Clown, Streitschlichter, Gruppenführer etc. Beim Positionskampf kommt es auch zu verschiedenen Machtstrukturen, die sich nach Alter, Geschlecht und sozialer Herkunft ergeben.

Anschließend kommt es zur Vertrautheit der Gruppenmitglieder. Kennzeichnend für diese Phase ist, dass jedes Gruppenmitglied einen Platz in der Gruppe gefunden hat mit dem es zufrieden ist, zum Beispiel werden Außenseiter vom Streitschlichter mit in die Gruppe integriert.

Nach dieser Phase folgt die Differenzierung, wobei ein Gefühl der festen Gruppenzusammengehörigkeit entsteht. Es kehrt Ruhe und Frieden ein und Akzeptanz der verschiedenen Rollen.

Als letzte Phase des Gruppenprozesses entsteht die Trennung und Ablösung der Gruppe. Da die Gruppe am Anfang freiwillig zusammen gekommen ist, ist es klar, dass die Gruppe sich irgendwann auflöst. Dadurch entstehen verschiedene Reaktionen der Gruppenmitglieder, zum Beispiel Trauer oder auch Freude über die Trennung.

Um den Gruppenprozess außerdem zu erklären gibt es soziometrische Untersuchungen, die Auskunft über Gruppenbeziehungen untereinander geben. Die Vorgehensweise der soziometrischen Untersuchung ist durch Beobachtung oder Befragung der Gruppe möglich. Aus den Ergebnissen erstellt man dann ein Soziogramm, das Auskunft gibt über
– Gruppenstruktur,
– Problemzonen,
– Stellung des Einzelnen in der Gruppe.

Das Gruppengespräch

Für den Erzieher ist das Gespräch das Handwerkzeug mit dem er arbeitet. Zu dem Gruppengespräch gibt es drei Grundstrukturen der Zielsetzung:
– Die Aussprache – darin werden Sachverhalte, Standpunkte abgeklärt und Ansichten /Meinungen geklärt
– Das belehrende Gespräch – dieses kann in Form einer Informationsveranstaltung stattfinden, zum Beispiel Einladung eines Experten
– Die Besprechung – hier geht es darum, eine Entscheidung herbei zu führen

Ziel des Gruppengesprächs ist, dass sich jeder beteiligt und das jedem zugehört wird, denn in der Mitwirkung liegt der pädagogische Wert.

Das Gruppengespräch kann mögliche Wirkungen auf den einzelnen und auf die gesamte Gruppe haben. Für den Einzelnen kann das Gruppengespräch Sicherheit geben, er kann dadurch Hemmungen überwinden, Angst abbauen etc. Für die Gruppe kann das Gruppengespräch zum Zusammengehörigkeitsgefühl und Erfolgserlebnisse führen etc.

Wenn es gelingt die Gruppe zu aktivieren, werden Beziehungen aktiver, enger, dynamischer und intensiver. Und je mehr es gelingt die Gruppenmitglieder zu motivieren, sich einzubringen, gewinnt die Gruppe an Attraktivität.

verfasst und eingesandt von Sabrina Herrmann

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